Dabei wollte ich mir nur ein zweites Frühstück besorgen…


Winterlandschaft

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Der Himmel veränderte sich. Die weichen Wattewolken von gerade waren verzogen und in nur einem Augenschlag, tummelten sich dicke grauen Wolken am Himmel, in schwerfälligen Formen. Die Sonne hatte sich komplett verzogen und hätte mein Magen nicht so geknurrt, hätte ich angenommen, dass Nacht wäre. Doch es war Tag, definitiv! Mein Körper belügt mich nicht. Ich hatte mich aus der Stadt geschlichen um mir ein zweites Frühstück zu gönnen. Einige Leute stehen ja drauf, alles vorgesetzt und abgezählt zu bekommen, aber ich bin ein Freigeist! Viva la Revolucion!! 

Als ich so vor mich hingrübelte, worauf ich eigentlich Bock hatte, brach plötzlich die Hölle über mich herein! Riesengroße fette Schneeflocken fielen aus den Wolken über mir und ehe ich mich versah, musste ich um mein Leben rennen! Die Schneeflocken waren so riesig, dass sie mir nichts dir nichts die ganze Welt unter sich begruben.

Ein umgestürzter Baum rettete mir das Leben und beschützte mich vor der kalten Gefahr. Schneeflocken in dieser Größe, bei diesen Temperaturen, zerschmetterten bei Kontakt ganze Körper. Es war nicht ungewöhnlich, dass nach so einer Katastrophe Arme und Beine meiner Freunde in der Gegend rumlagen und unsere Wächter danach die Stadt säubern mussten.

Ich harrte also aus. Mittlerweile muss es tatsächlich Nacht geworden sein. Mein Magen zog sich so sehr zusammen, dass er mit seinem grummeln Wölfe und Bären hätte verjagen können. Es schneite die ganze Nacht weiter und mein Hunger wurde immer schrecklicher. Ich knabberte an dem Schnee, um etwas Flüssigkeit aufzunehmen. Meine Lippen waren schon ganz trocken. Zum Glück hatte ich die passenden Klamotten an und brauchte mir keine Sorgen machen, dass ich erfrieren könnte. Nur die Größe dieser gigantischen Flocken machte mir sorgen.

Als ich erwachte, schien endlich wieder die Sonne, aber doch war es immer noch bitterkalt. Ich tastete mich langsam aus meinem Unterschlupf hervor. Meine Augen brannten im gleißenden Sonnenlicht. Der Schnee reflektierte die Strahlen und formte sie zu kleinen Blitzen, die in meine Augen stachen. Ich hielt mir die Hand schützend über die Augen, bis ich mich daran gewöhnt hatte.

Schnell machte ich mich auf, zurück in die Stadt. Ich stieg über den kleinen reißenden Fluss, überquerte den Hügel, rannte über die Lichtung und lief so schnell ich konnte.

Plötzlich zog es mir fast den Boden unter den Füßen weg! Die ganze Stadt war komplett eingeschneit! Alle Eingänge waren versperrt. Ein riesengroßer Turm aus Schneeflocken thronte auf dem Gipfel der Stadt, einst der Mittelpunkt und Glanzstück unserer Baukunst.

Ich konnte es nicht fassen. Was sollte ich nun tun? Ratlos stand ich herum, den Tränen nahe, mit einem Loch in meinem Bauch, als ich plötzlich eine schwache Stimme hörte: „Hamish, bist du es?“ Ich drehte mich blitzschnell um.

Da lag er. Begraben unter einer riesigen Flocke, unser Stadtvater Yaron. „Hamish, für mich gibt es keine Rettung, aber es könnte Überlebende geben! Du musst einen Weg in die Stadt finden und sie alle retten.“, flüsterte er mir zu. „Aber Yaron, wie soll ich das schaffen? Ich bin nur einer von tausenden und IT Nerd, und arbeite nicht in der Stadtwache oder dem Militär. Mir fehlen die Skills, um den Leuten wirklich helfen zu können!“, wimmerte ich vor mich hin.

„Hamish… in jedem von uns steckt ein Held! Es ist egal, wozu du eingeteilt wurdest, es zählt nur, wozu du dich berufen fühlst und was dein Herz dir sagt. Wenn du es nicht schaffst, werden alle sterben und unsere ganze Stadt wird ausgelöscht! All unsere Brüder und Schwestern werden verhungern, deine Freunde werden sterben, deine Mutter und dein Vater kläglich verenden. Höre auf dein Herz!“, röchelte Yaron mit seinem restlichen Atem aus den Lungen. Die letzte Kraft wich aus seinen Gliedern. Mit der Verschlaffung und Entleerung seines Körpers, wirkte er wie ein Greis. Gestern noch ein fröhlicher Stadtvater mittleren alters, wirkte er nun wie ein alter Mann. Er war in Sekunden zerfallen und runzelig geworden. Wie schrecklich der Tod doch sein kann!

Ich war nie ein großer Held. Ich schob den ganzen Tag Dateien hin und her, optimierte interne Abläufe und pflegte unsere Server Farm. Doch plötzlich, hörte ich diese theatralische Musik in meinem Inneren. Meine Brust schwoll an und mein Leben hatte nur noch einen Sinn, ich musste die Stadt retten!!
 Ich krempelte meine Arme hoch und begann an der Stelle zu graben, wo einst mal das Zugtor war. Meinen hungrigen Magen völlig vergessen, mobilisierte ich alle Kräfte und trug Flocke für Flocke an die Seite. Es dauerte den ganzen Tag! Gegen Abend hatte ich das Zugtor endlich frei geräumt und öffnete die eingearbeitete Tür.

Ekel und Trauer überkamen mich. Es gab keine Überlebenden. Überall lagen Freunde und Bekannte herum, Nachbarn, Lehrer, Arbeitskollegen. Aufgerissene Körper, abgerissene Arme, abgetrennte Köpfe und offen herumliegende Eingeweide.

Ich trat einen Schritt zurück und verschloss die Tür wieder. Hier war niemandem mehr zu helfen.

Ich drehte mich um und mir wurde bewusst, dass ich mir eine neue Stadt suchen musste, wo ich sein könnte, was ich wollte. Vielleicht konnte ich sogar beim Militär oder der Stadtwache anfangen?

Keine Ahnung! Ich wusste nur, es ist scheiße eine Ameise zu sein!!

2 Gedanken zu “Dabei wollte ich mir nur ein zweites Frühstück besorgen…

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