Darf ich mich vorstellen? Geralds Sofa, angenehm!


Cord Sofa

Oh, was passiert nur mit mir? Gerade hatte ich noch in der Wohnung von Gerald gestanden. Es kam mir vor, als wären etliche Jahre ins Land gezogen. Aber so lange konnte es noch nicht her sein. Ich bin zwar schon ziemlich durchgesessen, aber eigentlich kann man mich noch gut nutzen, dachte sich anscheinend auch die Person, die mich gerade in ihr Auto lud.

Gerald, wie ich ihn vermisse. Viele Jahre stand ich in seiner geräumigen 2 Zimmer Wohnung. Als die Cops ihn abführen, waren wir eine zeitlang alleine, der Wohnzimmertisch, der Fernseher, das Bücherregal und ich. Aus der Küche konnte man die anderen Schränke hören, aber gesehen hab ich sie nie. Wir fragten uns, was los war?! Eines Tages öffnete sich die Wohnungstür und wir dachten schon, Gerald wäre zurück. Doch es war nur der schmierige Hausverwalter. Gerald und er hatten sich oft gestritten! Gerald würde zu viel Müll für einen Menschen alleine verursachen und die Nachbarn beschwerten sich über komische Gerüche. 

Ich hatte nie was gerochen! Immer wenn Gerald kochte oder jemanden mitbrachte, deckte er alle Möbel zum Schutz mit Planen ab. Jetzt, so ganz schutzlos, konnte sich der fette Hausverwalter mit seinem stinkenden Zigarrenstummel auf mich setzen. Widerlicher Typ! Ich merkte sofort, wie sein Geruch in meinen braunen Breitcord zog.

„Die Küche bleibt drin, Sofa und Tisch kommen auf den Sperrmüll, Fernseher und Bücher zur Wohlfahrt“, brummelte der dicke Mann, die anderen Männer in den blauen Overalls an. „Die Möbel will bestimmt keiner haben.“, nuschelte er vor sich hin und kaute dabei auf seinem durchgesabberten Zigarrenstummel.

So kam ich auf den Sperrmüll. Der Couchtisch weinte bitterlich, als wir weggefahren wurden. Auf dem Sperrmüll angekommen, wurden wir unsanft getrennt und ich wurde auf einen Berg alter Sofas abgestellt. Ich rief den Tisch, aber die anderen Sofas schnauzten mich an, ich solle die Fresse halten! Die Tische stünden eh zu weit weg und könnten mich nicht hören. Es begann zu regnen und meine Kissen sogen sich voller Wasser. Ich wurde schwerer und schwerer, kälter und kälter. Ich erinnerte mich an Geralds warme Wohnung zurück und seufzte. Gerald war ein ruhiger Typ. Er schaute sich abends im Fernsehen oft Dokumentationen an und saß dabei immer auf der gleichen Stelle auf mir, mittig zum Fernseher. Rechts von ihm lag die Fernbedienung, links die Fernsehzeitung, die Füße legte er auf den Tisch und auf seinem Schoß stand eine Schüssel warmes Karamellpopcorn. Die ganze Wohnung hüllte sich in den süßlichen Karamellgeruch, wenn er die warme, ploppende Tüte aus der Mikrowelle nahm.

Manchmal brachte Gerald Frauen mit. Hübsch waren sie immer und ich feierte es  ziemlich ab, wenn sie sich mit ihren knackigen, runden Hintern auf mich setzen. Oft begann Gerald schon, sie auf mir auszuziehen. Dann spürte ich manchmal eine Brust auf meinem Stoff und freute mich leise. Wenn es heftiger wurde, sah ich  absichtlich weg. Gerald hielt den Frauen dann den Mund zu, bis sie sich nicht mehr bewegten und ließ sie auf mir liegen. Sie lagen oft lange dort, also gehe ich davon aus, dass ich ziemlich gemütlich bin! Wenn Gerald kam um sie zu holen, trug er so einen weißen Schutzanzug und eine Schutzbrille, wie wir es mal im Fernsehen bei so einer Krankenhaus-Serie gesehen hatten.

Die Frauen legte er dann auf den großen Esszimmertisch, der nicht weit von mir entfernt stand, und fing langsam an, ihre Gliedmaßen abzutrennen. Meistens, mit dem elektrischen Küchenmesser, da es nicht so laut war und er nicht riskieren wollte, dass sich wieder jemand beschwert. Verschiedene Zangen und Messer hatte er dabei vor sich ausgebreitet, was man eben so zum Kochen braucht. Bevor es richtig losging, machte er immer Musik an. Zu jeder guten Party, gehört die passende Musik, sagte er dann immer zu den Frauen. Couchtisch und ich sangen jeden Song mit, währen Gerald sich beim Abtrennen geschmeidig im Takt bewegte.

Es lief immer gleich ab! Er zerteilte die Frauen. Arme und Beine schnitt er in kleine Scheiben und verstaute sie in Müllbeuteln, die er dann nach und nach zum Müllschlucker brachte. Den Kopf nahm er in einem Karton mit. Wie wir von den Fenstern erfuhren, stellte er die Kartons in den Kofferrum seines AMC Pacer’s und fuhr davon.

Wenn er zurückkam, setzte er sich immer nackt auf mich und ejakulierte. Ging mal ein Tropfen daneben, machte er mich sofort wieder sauber. Die Frauen sollten sich bei ihm wohl fühlen und dürften keinen Verdacht schöpfen, sagte er einmal und  zwinkerte mir dabei zu. Ich liebte unsere Gespräche.

Gerald war ein cooler Typ! Er sah so fantastisch gut aus, blond, durchtrainiert, immer sehr sauber und gepflegt. Wir wussten genau, wenn er sich wieder eine neue Freundin suchen wollte. Er brauchte dann länger in der Dusche, stylte seine Haare länger als sonst und roch noch besser als sowieso schon. Wir freuten uns dann alle auf die kleine Party und konnten es kaum abwarten, bis er nach Hause kam.

„Das sind ja alles medizinische Bücher. Sind sie sicher, dass die Wohlfahrt die gebrauchen kann?“, fragte einer der Overall-Typen den Hausverwalter. „Was will ein Automechaniker mit medizinischen Büchern? Ach, scheiß egal! Wenn die die nicht wollen, sollen sie sie doch wegschmeißen! Hauptsache, ich bin sie los und kann die Bude wieder vermieten. Absolute scheiße, die Wohnung eines Serienkillers vermieten zu wollen.“, motzte der Hausverwalter. „Das zieht nur Freaks und andere Psychos an. Das dauert jetzt wieder ewig, bis ich einen vernünftigen Mieter finde.

Serienkiller also, dachte ich. Na ja, zu mir war er immer nett. Außer, dass er mich in der Wohnung alleine zurückgelassen hatte, konnte ich nichts an unserer jahrelangen Beziehung bemängeln. Und das ich jetzt auf dem Sperrmüll stehe, ist ja auch nicht seine Schuld.

Und anscheinend sehe ich doch nicht so scheiße aus, wie ich dachte! Denn sonst würde mich ja niemand vom Sperrmüll mitnehmen. Ich wurde also hinten in ein Auto geschoben. Eine junge Frau lächelte mich dabei an und deckte mich mit einer Decke ab. Als ich aufwachte, traute ich meinen Augen kaum! Ich stand wieder in Geralds Wohnung! Die Fenster waren geöffnet, die Sonne schien hinein und jemand hatte die Wände gestrichen. Aus einem kleinen Radio ertönte fröhliche Musik und die junge Frau sang leise mit. Eine sanfte und warme Stimme hatte sie.

„Kindergärtnerin sind sie“, fragte der Hausverwalter, der einfach ohne Anklopfen durch die offene Tür hereinrumpelt kam. „Ja.“, lächelte die junge Frau. „Ich bin gerade mit meiner Ausbildung fertig und habe hier einen Job bekommen, ich komme ursprünglich von der anderen Seite der Küste.“, erklärte sie ihm freundlich. Deswegen wusste sie nichts über diese Wohnung, dachte er leise. „Gut, danke. Das fehlte mir noch für mein Formular. Viel Spaß in der Wohnung und wie gesagt, wir bevorzugen leise, und vor allem sauber Mieter!“, mahnte er sie mit erhobenem Zeigefinger an. „Jawohl, Sir“. Sie salutierte spaßeshalber und begleitete ihn hinaus.

Sie setzte sich auf mich, atmete tief ein und entspannte sich. „Oh Sofa, wir werden bestimmt gute Freunde.“, sagte sie zu mir und strich sanft über meinen Breitcord. „Daddy wird sich sehr freuen, wenn ich ihm erzähle, dass ich dich gefunden und zurückgebracht habe. Jetzt muss ich mich aber hübsch machen, für heute Abend und sein Erbe weiterführen.“, sprang sie fröhlich von mir auf und hüpfte unter die Dusche.

Party! Dachte ich, und freute mich wieder an meinem alten Platz zu stehen. Ich hab ein verdammt gutes Gefühl, was unsere neue Freundschaft angeht :)

30 Gedanken zu “Darf ich mich vorstellen? Geralds Sofa, angenehm!

  1. Wie schon bei deiner Rezension zu „Scary Movie 5“ hast du auch hier einen kleinen Fehler :P
    – „Das sind ja alles medizinische Bücher. Sind sie sicher, dass die Wohlfahrt die gebrauchen kann?“, fragte einer der Overall Typen den Hausverwalter.
    In diesem Syntax verwendet schreibt man „Overall“ und „Typen“ zusammen, da es sich dabei um eine zusammenführende Beschreibung handelt, also „Overalltypen“.

    Liebe Grüsse :*

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  2. Danke noch mal, wie schon auf Facebook :) Die Geschichte ist eigentlich noch gar nicht vernünftig Korrekturgelesen und die muss ich auf jeden Fall noch mal anfassen. Im Nachhinein sind doch einige Verständnisfragen aufgetaucht ;) Ich werd auch wohl mal eben dazu schreiben, dass es noch ein Entwurf ist.

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  3. Komische aber dennoch interessante Story, hätte ja nicht gedacht dass es so eine Richtung nimmt, als ich begonnen habe das zu lesen. Aber was lernen wir daraus ? Lieber nach schauen wenn komischer Geruch aus der Wohnung kommt :D Da muss sich die Hausverwaltung schon dahinter klemmen :) Naja ich darf nix sagen bin mit meiner hier sehr zufrieden.
    Lg, Michi

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  4. Pingback: LiteratOur Lesung im Café Piano Lingen | Mein Blog, meine Gedankenfürze

  5. schade, dass solche möbel nicht mehr hergestellt werden. ich bin ein grosser fan von üppig gepolsterten cord sofas/sesseln. bisher hatte ich nicht das glück, eine passende garnitur zu finden. entweder waren sie zu teuer oder schon total verschlissen/miefig. hat deine garnitur eine bestimmte bezeichnung/markennamen, wonach ich gezielt suchen könnte?

    mfg jayjay

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